Arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit             

Integration und Teilhabe von Jugendlichen gelingt nur gemeinsam

Seit Jahrzehnten gibt es eine besondere Form der Jugendsozialarbeit in Bayern, eine Jugendsozialarbeit, die jungen Menschen den Einstieg ins Berufsleben ebnet und ihnen einen Platz in der Gesellschaft anbietet: die Arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit (AJS).

Junge Menschen, die aus verschiedenen Gründen beruflich nicht integriert sind, die gesellschaftlich ausgegrenzt sind, können die Angebote der AJS nutzen. Es handelt sich hier um Personen, die keine Ausbildung oder Arbeit haben, die sozial benachteiligt und / oder individuell beeinträchtigt sind (§ 13 SGB VIII).

jsa

Die AJS umfasst unterschiedliche Formen der Beratung, Bildung und Begleitung in der Berufsorientierung, bei der Vorbereitung und dem Absolvieren von Ausbildung. Sie ist durch ihren Auftrag eng mit der Arbeitswelt, der Arbeitsförderung und der Jugendhilfe verschränkt. Die AJS verfolgt das Ziel der umfassenden Integration benachteiligter junger Menschen.

In Bayern gibt es passgenaue und ganzheitliche  Ausbildungs- und Beschäftigungsangebote für junge Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf: in der Jugendwerkstatt. Diese stellt in ihrer besonderen Konzeption ein marktorientiertes betriebliches Lernfeld zur Verfügung, in dem die Qualifizierungs- und Ausbildungsmaßnahmen berufs- und sozialpädagogisch begleitet werden. Durchgehend wird die berufliche Bildung gefördert. Vor allem die Ermöglichung eines nahtlosen Übergangs von der Qualifizierungsmaßnahme in eine Ausbildung stellt ein besonderes Merkmal des Angebots der Jugendwerkstatt dar.

Durch passgenaue Hilfen soll es den jungen Menschen ermöglicht werden, Schlüsselqualifikationen zu erwerben und sich weiter zu entwickeln. Um die berufliche Förderung und umfassende Integration dieser Personengruppe sowie die Weiterentwicklung bewährter Angebote sicherzustellen, engagiert sich die bayerische Staatsregierung bereits seit 1983 mit entsprechenden Förderprogrammen in diesem Bereich. Sie ist damit ein zentraler Mitstreiter und Garant für die Arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit mit ihren Jugendwerkstätten in Bayern. Bay. Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration

2009 wurde ein neues Förderprogramm auf der Grundlage der Richtlinie zur Förderung von Projekten der Arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit im Rahmen des ESF-Förderzeitraums 2007 – 2013 aufgelegt. Somit wurde die staatliche, aber nachrangige und ergänzende Förderung der Arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit durch die Gewährung von Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) und Landesmitteln auf eine neue Grundlage gestellt und erheblich aufgestockt. Im Förderzeitraum 2014 – 2020 wird diese Förderung modifiziert  und in der Prioritätsachse A als Aktion 2 fortgeführt.

Ein erklärtes Förderziel innerhalb des ESF – Operationellen Programms Bayern ist die dauerhafte Eingliederung von jungen Menschen in den Arbeitsmarkt, insbesondere von solchen, die weder einen Arbeitsplatz haben noch eine schulische oder berufliche Ausbildung absolvieren, darunter junge Menschen, denen soziale Ausgrenzung droht und die Randgruppen angehören.

Die Förderhinweise zur AJS schaffen für die ESF- und Landesmittelförderung einheitliche, transparente und kompatible Fördergrundlagen und Verfah-rensabläufe. Es gibt nur eine Bewilligungsbehörde (ZBFS: Zentrum Bayern Familie und Soziales) und ein Verfahren für die Beantragung einer Förderung aus ESF- und Landesmitteln.

Antragsteller müssen anerkannte Träger der freien Jugendhilfe mit Sitz und Einrichtung in Bayern sein, die passende Projekte für die Zielgruppe, Maßnahmen mit überwiegendem Praxisbezug in einem realistischen betrieblichen und marktorientierten Rahmen (insbesondere Jugendwerkstätten) anbieten und über qualifiziertes Fachpersonal verfügen. Grundvoraussetzung für die Förderung ist, dass die existierenden Angebote der Agenturen für Arbeit oder der Grundsicherung für die jungen Menschen nicht ausreichend sind. AJS Logo

Für die berufliche Integration sozial benachteiligter und/oder individuell beeinträchtigter Menschen sind vorrangig die Agenturen für Arbeit bzw. die Träger der Grundsicherung zuständig, das gilt auch für die Finanzierung. Um die Chancen einer nachhaltigen Integration benachteiligter junger Menschen zu erhöhen, bedarf es in der Regel zusätzlicher Anstrengungen. Die Förderung nur eines jeweils einzelnen Aspektes durch den dafür zuständigen Kostenträger ist in der Regel nicht ausreichend, weil aufgrund multipler Problemlagen unterschiedliche Ansprüche bei verschiedenen Sozialleistungsträgern ausgelöst werden. Darüber hinaus hat sich die Förderung im Rahmen des ganzheitlichen Konzeptes der Arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit als am deutlichsten wirksam erwiesen. Das Zusammenspiel der verschiedenen Akteure ist dafür unerlässlich. So haben in Bayern das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, der Bayerische Städtetag, der Bayerische Gemeindetag, der Bayerische Landkreistag, die Freie Wohlfahrts-pflege Bayern, die Regionaldirektion Bayern und die Landesarbeitsgemeinschaft Jugendsozialarbeit Bayern (LAG JSA) 2008 eine Kooperationsvereinbarung unterschrieben. Diese Vereinbarung sichert die Zusammenarbeit aller betroffenen Akteure bei der beruflichen Eingliederung und Förderung sozial benachteiligter junger Menschen  im Sinne des § 13 SGB VIII und wird zum neuen Förderzeitraum angepasst und fortgeschrieben.

Die gemeinsame Verantwortung aus Arbeitsverwaltung und Jugendhilfe für die Zielgruppe soll zu einer intensiven Zusammenarbeit der Kooperationspartner, auch auf finanzieller Ebene führen. Im Förderzeitraum 2014 – 2020 sind 40 Millionen Euro aus dem ESF zur Förderung von benachteiligten Jugendlichen im Rahmen der AJS vorgesehen. Hinzu kommen auf Landesebene zur Deckung von Fehlbedarfen jährlich ca. 4 Millionen Euro Fördermittel.